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Die spielen ja nur?! - Elternabende im Herbst 2021

Veröffentlicht von Sandra Kühlmann am 04.10.2021
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In den letzten Tagen haben wir alle Eltern zum Elternabend der Gruppe eingeladen. Zu Beginn des Abends bekam jede/r ein Foto ihres/seines Kindes und wir stellten die verschiedenen Bildungsbereiche des "Orientierungsplanes für Bildung und Erziehung" vor. Die Eltern bekamen die Aufgabe, das, was ihr Kind auf dem Foto macht, einem Bildungsbereich zuzuordnen. Dabei wurde schnell klar: Egal, welche Tätigkeit auf dem Foto abgebildet ist, es passen immer mehrere Bildungsbereiche dazu.

Spielend und in Alltagssituationen lernen - das ist Bildungsarbeit im Kindergarten. Zum Abschluss des Abends verteilten wir ein Handout, das wir auch an dieser Stelle veröffentlichen möchten: 

 

Was hat Spielen mit Lernen und mit (späterer) Schulfähigkeit zu tun?

Was sind unsere Ziele?

Anhand der Bildungsbereiche des Orientierungsplans möchten wir beispielhaft verdeutlichen, was Kinder im Kindergarten und zu Hause lernen. Wichtig: Es ist super, wenn Kinder diese Ziele erreichen. Wichtiger ist aber der Weg dahin. Und der ist bei einem Kind länger, beim anderen kürzer. Vielleicht gibt es auch Bereiche, die für manche Kinder nicht relevant sind. So oder so: Der Weg ist das Ziel! Weil auf dem Weg ganz schön viel passiert! Das ist das „Abenteuer Lernen“, und es ist hoffentlich spannend, lustig, interessant und herausfordernd!

Emotionale Entwicklung und soziales Lernen

  • Ich bin gerne im Kindergarten, fühle mich dort wohl und sicher.
  • Ich habe ein positives Bild von mir selbst, ich mag mich, so wie ich bin. Dann kann mich so schnell nichts erschüttern, auch wenn etwas schief geht.
  • Ich kenne meine Gefühle und kann sie äußern (zeigen oder benennen). Ich weiß, was ich fühle. Ich weiß, dass ich meinen Gefühlen trauen darf.
  • Ich bin einfühlsam und habe Verständnis für die Gefühle der anderen Kinder. Nur so kann eine Gemeinschaft funktionieren.
  • Ich traue mich, meine Meinung zu sagen, auch im Stuhlkreis und später in der Schule vor der Klasse. Ich sage deutlich „Nein!“ wenn ich mich von anderen abgrenzen muss, mir etwas missfällt, jemand etwas macht, das ich nicht will.
  • Ich kann ein gewisses Maß an Frust aushalten, ohne gleich aufzugeben oder mich zu verweigern. Z.B. wenn mein Turm immer wieder einstürzt. Ich lerne, dass Fehler dazu da sind, gemacht zu werden und daraus zu lernen. Auch in der Schule wird das sehr wichtig sein!

 

Entwicklung kognitiver Fähigkeiten und der Freude am Lernen

  • Ich habe viel Spaß und lache viel. Nur wenn ich mich wohlfühle bin ich aufnahmefähig und kann lernen.
  • Ich will viel Neues lernen, ich bin neugierig und interessiert. Ich will den Dingen auf den Grund gehen und habe Lust, etwas auszuprobieren. Gut, dass die Erwachsenen im Kiga immer wieder andere Sachen bereitstellen. So entdecke ich Neues und lerne dazu. Das kann mein Leben lang so weiter gehen!
  • Ich beobachte, was die älteren Kinder (die Erwachsenen) machen und versuche das nachzuahmen. Das klappt nicht immer – macht aber nichts.
  • Ich traue mich, Fragen zu stellen und eigene (ungewöhnliche) Lösungen zu finden. Wer nicht fragt bleibt dumm – auch in der Schule.
  • Ich kann einige Lieder, Reime und Gedichte (Gebete) auswendig und kann Geschichten erzählen. Später schreibe ich sie als Aufsatz auf.

 

Körper – Bewegung – Gesundheit

  • Ich bin fit wie ein Turnschuh. Ich weiß, was gesund ist und mir und meinem Körper guttut. Ich kenne gesundes Essen und habe gemerkt, dass Bewegung mich fit macht.
  • Ich weiß, dass ich im Kindergarten herumtoben und mich auspowern kann. Aber es gibt auch ruhige Ecken und ich darf mich ausruhen, wenn ich das möchte. Langeweile gibt es eigentlich nicht, aber Denkpausen sind wichtig und tun mir gut.
  • Ich fühle mich stark und mutig. Das tut mir gut und lässt mich wachsen.
  • Ich kenne meinen Körper und ich weiß, was ich mag und was nicht. Das sage ich auch deutlich!
  • Ich kann mein Gleichgewicht halten, weil ich viele verschiedene Bewegungen ausprobiert habe. Ein gutes Gleichgewicht ist wichtig – auch in der Schule: Ich muss sicher sitzen können. Kann ich das nicht, verbrauche ich viel wichtige Energie um meinen Körper sitzend auf dem Stuhl zu halten. Diese Energie fehlt mir dann z.B. im Bereich der Konzentration/Aufmerksamkeit.
  • Ich habe eine gute Körperkoordination, kann meine Kraft dosieren und nehme meine Muskeln wahr. So kann ich z.B. einen Stift richtig halten, ich drücke nicht zu doll (auch nicht beim Toben und Rangeln), ich kann Seiten vorsichtig umblättern, meinen Hosenknopf schließen und vieles mehr.
  • Ich kenne meine Sinne und kann sie gut nutzen. So kann ich z.B. den „Nutzschall“ (was ich hören soll/will) vom „Störschall“ (Nebengeräusche) unterscheiden. Das ist praktisch im Stuhlkreis und in der Schule, weil ich durch die vielen Geräusche um mich herum sonst schnell reizüberflutet und abgelenkt bin.
  • Durch puzzeln, aufräumen und sortieren habe ich eine gute Raum-Lage-Wahrnehmung. So kann ich z.B. besondere Merkmale bei Buchstaben und Zahlen erkennen (p q d b). Beim Schreibenlernen ist das bestimmt hilfreich.

Sprache und Sprechen

  • Ich kann mich sprachlich ausdrücken, kann sagen oder zeigen, was ich möchte, was ich brauche, was mir fehlt. So kann ich gut für mich sorgen!
  • Ich habe erfahren, dass es verschiedene Sprachen gibt. Sie klingen ganz unterschiedlich. Das ist ein Schatz – auch wenn es anfangs für manche Kinder schwer ist. Ein paar Wörter in einer anderen Sprache kenne ich auch.
  • Ich habe Spaß an Liedern, Reimen und Gedichten. Einige kenne ich sogar auswendig! Mit Sprache spielen macht Spaß und ich denke mir selbst Quatschgedichte aus. Sie helfen mir z.B. dabei, feine Unterschiede in der gesprochenen Sprache zu hören, damit ich später die richtigen Wörter schreiben kann (z.B. Kanne/Tanne, Hund/Hand).
  • Ich kenne viele Bücher. In manchen Büchern sind spannende oder lustige Geschichten. In anderen Büchern sind keine Texte, da denken wir uns selbst eine Geschichte aus oder wir entdecken die Bilder und sprechen darüber. Bücher regen meine Fantasie und meinen Wortschatz an. In der Schule schreibe ich dann selbst Geschichten.
  • Ich habe die Funktion von Buchstaben, Zahlen und anderen Zeichen entdeckt. Praktisch, solche Hilfsmittel! Bald kann ich sie selbst aufs Papier bringen.

 

Lebenspraktische Kompetenzen

  • Ich kann richtig viele Sachen allein machen! Tischdecken, abwaschen, mich an- und ausziehen, meine Sachen wegräumen, ein „Amt“ übernehmen, und vieles mehr. Das macht mich stolz und gibt mir ein gutes Gefühl. Ich möchte immer mehr (allein) können! Gut, dass du mir viel zutraust, auch wenn es nicht immer gleich klappt oder länger dauert.

  • Ich traue mich, um Hilfe zu bitten. Mir wird immer geholfen, aber es wird nicht alles für mich erledigt, ich weiß. Oft kann ich etwas mit ein bisschen Hilfe schaffen. Ich weiß, dass nicht immer jemand in der Nähe ist, der alles für mich macht. Und das ist auch nicht nötig!
  • Manche Dinge sind lästig und machen mir keinen Spaß. Aber ich habe gelernt, dass sie zum (Kindergarten-)Leben dazu gehören. Es gibt auch Aufgaben, die ich gerne (für alle) übernehme.
  • Ich helfe kleineren Kindern mit dem, was ich schon kann. Das ist ein gutes Gefühl! Dann fühle ich mich groß und stark. Und das bin ich ja auch!
  • Ich bin stolz, wenn die Erwachsenen mir einen besonderen Auftrag geben oder mir etwas zutrauen. Zum Beispiel jemandem in einer anderen Gruppe eine Nachricht überbringen, etwas aus dem Büro holen, mit meinem Freund allein in der Bücherei zu sein. Anschließend gelobt zu werden ist ein gutes Gefühl.

Mathematisches Grundverständnis

  • Aufräumen finde ich immer noch nicht toll. Aber ich habe gelernt, dass es sinnvoll ist, Dinge zu sortieren, zu gruppieren. Man findet schneller, was man sucht. In der Schule muss ich auch die richtigen Zettel in die richtige Mappe heften.
  • In Raum und Zeit kann ich mich schon gut orientieren. Ich verwende Begriffe wie: nach dem Essen, hinter der Tür, neben dem Baum, …
  • Ich vergleiche und kann Schlüsse ziehen. Zum Beispiel: Ich bin größer als du, aber sie ist am größten. Der Baumstamm ist dünner als der andere. Trotzdem ist der Baum höher gewachsen. Ein Apfel ist wenig für vier Kinder. Aber vier Apfelstücke reichen für alle.
  • Ich interessiere mich für Zahlen im Zusammenhang mit Ordnung von Zeit. (Uhrzeit, Alter, Jahre…). Ich kenne schon Wochentage und einige Monate.
  • Manche Zahlen sind im Alltag praktisch: Haus- und Telefonnummer, Anzahl von Gliedmaßen, Geld. Ich freue mich, wenn ich diese Zahlen kenne!
  • Ich kann Zahlen von Buchstaben unterscheiden. Du lachst darüber? Ich sage: Das ist wirklich gar nicht so einfach, wenn man es noch lernen muss!
  • Ich kann die Kinder im Stuhlkreis zählen, Würfelzahlen erkennen, bis Zehn zählen und vieles mehr. Wenn ich das schon kann, ist es noch ein kleiner Schritt zu ersten Rechenaufgaben.  

Ästhetische Bildung

  • Ich darf kreativ sein und meine eigenen Kunstwerke erstellen. Ich habe schon viele Dinge ausprobiert, z.B. Knete, Wasser, Farben, Wolle, Stoff, Pappe. Aus allem kann ich etwas machen! Ich bin ein/e Künstler*in!
  • Ich präsentiere mich (oder etwas von mir) stolz im Stuhlkreis. Dafür muss ich ganz schön mutig sein!
  • Ich kenne Lieder, singe und tanze gerne. Vielleicht nur heimlich, in meinem Zimmer. Aber vielleicht werde ich ja noch mutiger, wartets ab!
  • Ich habe schon Musikinstrumente ausprobiert und Musik erfunden. Großartig, was alles in mir steckt. Vielleicht entdeckt jemand mein Talent?!
  • Ich bin einmal aufgetreten, z.B. im Stuhlkreis, in der Kirche oder bei einer anderen Veranstaltung. Das war sehr aufregend! Aber der Applaus hat richtig gut getan.  Ich weiß, dass ich etwas kann!  
  • Ich habe von anderen Künstlern gehört oder aus Büchern erfahren. Beeindruckend, was mache Menschen in ihrem Leben erreicht oder geschaffen haben. Was aus mir wohl einmal wird?

Natur und Lebenswelt

  • Ich bin gerne draußen, habe Spielideen im Freien und weiß, dass frische Luft – auch wenn sie kalt ist – mir guttut.
  • Ich kenne viele Tiere und Pflanzen mit Namen und gehe vorsichtig mit ihnen um. Es ist wichtig, sich um die Natur zu kümmern. Wir haben nur diese eine Erde!
  • Ich habe schon einmal etwas ausgesät oder eingepflanzt und das Wachstum beobachtet. Im besten Fall konnte ich auch ernten.
  • Ich beobachte die Jahreszeiten und das Wetter. Da gibt es spannendes zu entdecken.
  • Ich liebe Experimente. Sie erstaunen mich und lassen mich neue Welten erforschen. Wenn es so weiter geht, könnten Physik, Chemie und Bio in der Schule zu meinen Lieblingsfächern werden. 
  • Ich kenne mich in der Nähe des Kindergartens aus. In der Stadt kenne ich die Kirche, das Rathaus, den Ziegenbrunnen und natürlich die Eisdiele. Es ist gut, wenn man sich auskennt!
  • Ich habe erfahren, dass es andere Länder, andere Lebensformen, große und kleine Städte und viele andere Lebensräume gibt. Es ist spannend, Dinge über die ganze Welt zu erfahren.

Ethische und religiöse Fragen, Grundfragen menschlicher Existenz

  • Ich habe erfahren, dass ich geliebt werde und dass ich wertvoll bin – so wie ich bin. Das stärkt mein Selbstwertgefühl!
  • Ich habe im Kindergarten viele verschiedene (biblische) Geschichten gehört. Sie helfen mir, über mein Leben nachzudenken und neue Fragen zu stellen.
  • Ich kenne einige christliche Feiertage aus unserer Kultur und weiß, warum sie gefeiert werden.
  • Feste und Feiern sind Höhepunkte im Jahreslauf, ganz besonders natürlich mein Geburtstag. Die Erwachsenen geben sich viel Mühe, mir einen schönen Tag zu gestalten. Ich finde es schön, an diesen Tagen besondere Gemeinschaft zu erleben, den Alltag zu unterbrechen.
  • Ich weiß, dass es verschiedene Religionen gibt und Menschen aus unterschiedlichen Kulturen in meiner Nähe leben. Ich habe Vielfalt als positiv und bereichernd erlebt. So kann ich offen und zugewandt auf andere Menschen zugehen.
  • Ich habe schon einmal über den Tod nachgedacht, weil wir ein totes Tier gesehen haben oder weil jemand gestorben ist. Der Tod gehört zum Leben dazu – auch wenn ich das traurig finde. Es ist gut, wenn ich darüber nachdenke und Fragen stelle. Irgendwann passiert etwas in meinem Umfeld (Trennung, Abschied) und dann kann ich mich hoffentlich an diese Erfahrungen erinnern.
  • Ich kenne Gebete und weiß, dass Gott mir immer zuhört, wenn ich mit ihm spreche. Das ist ein gutes Gefühl. Ich bin nie allein.

Zuletzt geändert am: 04.10.2021 um 14:18

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